
„Er sieht dich an“
Da ist dieser Blick.
Nicht irgendwohin gerichtet, nicht ins Leere – sondern direkt zu dir.
Jesus trägt das Kreuz. Die Dornenkrone drückt sich in seine Stirn, seine Schultern sind schwer, sein Körper gezeichnet. Und doch: Sein Blick ist wach. Klar. Suchend.
Dich suchend. Er schaut dich an.
Ein Blick mitten ins Leben
Wir sind es gewohnt wegzusehen.
Vor Leid. Vor Schuld. Vor dem, was uns überfordert.
Doch hier geschieht das Gegenteil: Jesus wendet sich nicht ab.
Er schaut nicht weg, auch nicht von dir.
In diesem Blick liegt keine Anklage. Keine Härte.
Sondern etwas, das schwer in Worte zu fassen ist: eine Mischung aus Schmerz, Liebe und unerschütterlicher Treue. Als wollte er sagen: „Ich sehe dich. Ganz. Und ich gehe diesen Weg, auch für dich.“
Der Blick, der trägt
Das Kreuz lastet schwer auf ihm, und doch scheint etwas anderes noch schwerer zu wiegen:
die Last der Welt, die Last unserer Brüche, unserer Ängste, unserer Schuld.
Und trotzdem bleibt dieser Blick offen.
Vielleicht kennst du solche Momente: Wenn alles zu viel wird. Wenn du dich fragst, ob
du das noch tragen kannst. Dieses Bild sagt: Du bist nicht allein unter deinem Kreuz.
Denn der, der hier schaut, kennt das Gewicht. Und er trägt weiter, als du je müsstest.
Ostern beginnt im Blickkontakt
Ostern ist nicht erst das leere Grab. Ostern beginnt hier, in diesem Blick.
Denn wo Jesus dich ansieht, da beginnt Hoffnung. Nicht, weil das Leid verschwindet.
Sondern weil es getragen wird. Verwandelt wird.
Sein Blick sagt: „Das ist nicht das Ende.“
Selbst unter dem Kreuz liegt schon ein Versprechen: Dass Leben stärker ist als Tod.
Dass Liebe stärker ist als alles, was uns niederdrückt.
Und du?
Was passiert, wenn du seinen Blick erwiderst?
Vielleicht merkst du: Du musst dich nicht verstecken. Nicht erklären. Nicht rechtfertigen.
Du darfst einfach da sein. Gesehen. Angenommen. Geliebt.
Gebet
Herr Jesus Christus, du siehst mich. Auch dort, wo ich mich selbst kaum ertrage.
Du schaust mich an, ohne mich zu verurteilen. Hilf mir, deinen Blick auszuhalten und
darin deine Liebe zu erkennen. Trage du, was mir zu schwer ist.
Und lass mich in deinem Blick die Hoffnung von Ostern finden.
Amen.
Herzliche Grüße und gesegnete Ostern
Hans-Peter Pfeifenbring Marcelino Rova-Fraga
[Foto: St. Marien Dom zu Schwerin / privat – Hans-Peter Pfeifenbring]





